Ausbildung

Ausbildung in Teilzeit

Beruf, Haushalt und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen, ist sicherlich nicht leicht. Noch schwieriger ist es, wenn man sich bereits in einer Ausbildung oder kurz vor dem Ausbildungsbeginn befindet. Das Modell der Teilzeitberufsausbildung bietet Müttern und Vätern die Möglichkeit, Kinderbetreuung und Ausbildung miteinander zu vereinbaren. Auch bei der Betreuung eines pflegebedürftigen Familienangehörigen kann eine Ausbildung in Teilzeit von Vorteil sein.

Eine Teilzeitausbildung kann grundsätzlich in allen anerkannten Ausbildungsberufen stattfinden, die nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung betrieblich ausgebildet werden.

Wer kann eine Teilzeitausbildung in Anspruch nehmen?
Im § 8 Abs. 1 des Berufsbildungsgesetzes ist geregelt, dass bei berechtigtem Interesse die Ausbildungszeit auch in Form einer täglichen oder wöchentlichen Reduzierung der Arbeitszeit gekürzt werden kann. Ein berechtigtes Interesse ist z. B. dann gegeben, wenn
  • der/die Auszubildende ein eigenes Kind hat
  • oder einen pflegebedürftigen Angehörigen zu betreuen hat
  • oder vergleichbar schwerwiegende Gründe vorliegen

Welche Vorteile haben Unternehmen durch die Teilzeitausbildung? 
  • Besonders hohe Motivation der Auszubildenden
  • Organisationserfahrung durch das Familienmanagement bei den Auszubildenden
  • Stärkere Betriebsbindung
  • Flexible Arbeitszeitmodelle
  • Teilzeit bedeutet längst nicht, dass die Arbeitszeit auf vormittags beschränkt ist. Es gibt viele Modelle, wie eine Teilzeitausbildung aussehen kann. Wie viele Stunden und zu welchen Zeiten die Auszubildende im Unternehmen sind, können Sie variabel mit dem/der Auszubildenden vereinbaren.
  • Geringere Ausbildungskosten, da bei einer Ausbildung in Teilzeit nur eine anteilig reduzierte Ausbildungsvergütung bezahlt wird.
  • Positive Außenwirkung durch die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung (familienfreundlicher Betrieb)

Welche Modelle der Teilzeitausbildung gibt es?
Eine Teilzeitausbildung führt nicht automatisch zu einer Verlängerung der Gesamtausbildungsdauer, sondern nur dann, wenn diese erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Auch die Leistungsfähigkeit des Auszubildenden und die Anforderungen an das Berufsbild sollten dabei berücksichtigt werden.
1. Modell:
Teilzeitausbildung ohne Verlängerung der Ausbildungszeit.
Die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts beträgt mindestens 25 Wochenstunden (bzw. 75 % der sonst üblichen wöchentlichen Vollzeitausbildung)
2. Modell:
Teilzeitausbildung mit Verlängerung der Ausbildungszeit bis zu einem Jahr.
Die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts beträgt mindestens 20 Wochenstunden.
Die Auszubildenden müssen sich mit dem Ausbildungsbetrieb auf eine reduzierte wöchentliche Ausbildungszeit zwischen 20 und 30 Stunden einigen und festlegen, zu welchen Zeiten diese Stunden abgeleistet werden. Die Berufsschulzeit muss dabei regulär in Vollzeit abgeleistet werden. Die Ausbildungsvergütung reduziert sich entsprechend der vereinbarten Ausbildungszeit.

Betrieb und Auszubildende(r) reichen bei der IHK einen gemeinsamen Antrag auf Teilzeitausbildung ein. Entweder durch entsprechende Vermerke im Berufsausbildungsvertrag vor Beginn der Ausbildung oder bei einer bereits laufenden Ausbildung über einen entsprechenden Änderungsvertrag.

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