IHK Ostwürttemberg

Verkürzung oder Verlängerung der vertraglichen Ausbildungszeit

1. Verkürzung der vertraglichen Ausbildungszeit

Ausbildende (Betrieb) und Auszubildende, können im Einvernehmen entweder mit dem Vertragsabschluss (Berufsausbildungsvertrag) oder nachträglich während des 1. Ausbildungsjahres, dann jedoch über eine vertragliche Änderungsvereinbarung, die Regelausbildungszeit des Ausbildungsberufes bei Nachweisbarkeit bestimmter Abkürzungsgründe verkürzen.
Nach dem 1. Ausbildungsjahr kann eine “Verkürzungsabsicht” durch den Auszbildenden über den sogenannten “Antrag auf vorzeitige Prüfungszulassung” an die IHK gestellt werden.

Folgende Anrechnungsgründe für eine vertragliche Verkürzung sind beispielsweise:
  • der vorherige Besuch eines schulischen Berufsgrundbildungsjahres, einer einjährigen oder zweijährigen Berufsfachschule (Verkürzung bis zu 12 Monate)
  • eine vorangegangene abgeschlossene Berufsausbildung (Verkürzung bis zu 12 Monate)
  • eine höhere schulische Allgemeinbildung (Realschulabschluss: Verkürzung bis 6 Monate; Hochschulreife, Abitur: Verkürzung bis 12 Monate)
  • der Auszubildende ist älter als 21 Jahre (in Einzelfällen Verkürzung bis zu 12 Monate möglich)
  • bei einem Berufswechsel, sofern die Grundausbildung des Erstberufes im wesentlichen mit der Grundausbildung des neuen Ausbildungsberufes identisch ist (hier Verkürzung ggf. in vollem Umfang).

Mehrere Abkürzungsgründe können auch nebeneinander berücksichtigt werden, dabei sind  jedoch folgende Mindestausbildungszeiten einzuhalten:
  • bei einer Regelzeit der Verordnung von 42 Monate: mindestens 24 Monate vertragliche Ausbildungszeit
  • bei einer Regelzeit der Verordnung von 36 Monate: mindestens 18 Monate vertragliche Ausbildungszeit
  • bei einer Regelzeit der Verordnung von 24 Monate: mindestens 12 Monate vertagliche Ausbildungszeit
Die Verkürzungsgründe müssen durch Vorlage von Zeugniskopien nachgewiesen werden.


Was muss der Ausbildungsbetrieb dabei berücksichtigen?

Eine Verkürzung der Ausbildungszeit beeinflusst das Ausbildungsverhältnis unmittelbar, d. h. der Ausbildungsbetrieb bzw. der Ausbilder ist verpflichtet, alle im Rahmenplan aufgeführten Ausbildungsinhalte während der verkürzten Ausbildungszeit gleichermaßen und ohne Qualitätseinbußen zu vermitteln. Hierzu muss die ursprüngliche sachliche und zeitliche Gliederung und der betriebliche Ausbildungsplan an die vereinbarte Verkürzung angepasst werden. Eine Kopie des geänderten Ausbildungsplans senden Sie bitte an die IHK Ostwürttemberg.

Ausbildungsvergütung bei einer verkürzten Ausbildungszeit:

Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist durch die Verkürzung nicht betroffen, d.h. die Ausbildungsvergütung für das zweite bzw. dritte Ausbildungsjahr muss nicht um den Verkürzungszeitraum früher gezahlt werden.

2. Verlängerung der vertraglichen Ausbildungszeit

Folgende Fälle sind dabei zu unterscheiden:

2.1. Verlängerung in Ausnahmefällen:

In Ausnahmefällen kann die zuständige Stelle (IHK) auf Antrag Auszubildender die Ausbildungszeit verlängern, wenn die Verlängerung erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen (§ 8 Abs. 2 BBiG).
Als Ausnahmegründe für eine Verlängerung der Ausbildungszeit vor Ablegen der Abschlussprüfung können z. B. gelten: erkennbare schwere Mängel in der Ausbildung, längere Ausfallzeiten, die vom Ausbildenden nicht zu vertreten sind, sowie körperliche, geistige oder seelische Behinderungen des Auszubildenden.
Der Antrag kann vom Auszubildenden formlos, mit entsprechenden Nachweisen, an die IHK eingereicht werden. Eine vorherige Kontaktaufnahme zur Abstimmung mit einem IHK-Ausbildungsberater ist zu empfehlen.


2.2. Verlängerung bei Nichtbestehen der Abschlussprüfung ( § 21 Abs. 3 BBiG):

Besteht ein Auszubildender seine Abschlussprüfung nicht, so hat er Anspruch auf Verlängerung der Ausbildungszeit bis zur nächsten Wiederholungsprüfung, aber höchstens um ein Jahr. Der Azubi muss dem Ausbildenden den Wunsch nach einer betrieblichen Ausbildungszeitverlängerung eindeutig und ohne schuldhaftes Verzögern mitteilen. Tut er dies nicht, endet das Ausbildungsverhältnis zum ursprünglich, vertraglich vereinbarten Termin. Der Anspruch auf Verlängerung entsteht mit Kenntnis des Auszubildenden vom Nichtbestehen der Abschlussprüfung. Die Prüfung kann zweimal wiederholt werden.
Zur Anerkennung und Registrierung einer Verlängerung benötigt die IHK Ostwürttemberg einen ausgefüllten und unterzeichneten Änderungsvertrags zur Verlängerung der Ausbildungszeit.