Wichtige Voraussetzung zur Ausbildung

Ausbilder benennen

Sie möchten geeignete Ausbilderinnen oder Ausbilder für Ihren anerkannten Ausbildungsbetrieb benennen oder selbst Ausbilder/in für einen bestimmten Ausbildungsberuf werden? Nachfolgend haben wir alle wichtigen Informationen rund um die Ausbilderbenennung für Sie zusammengefasst:
Ein Ausbilder erfüllt die Funktion, einem oder mehreren Auszubildenden die im Ausbildungsplan festgelegten Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln. Darüber hinaus gehören zu seinem Funktionsbild noch weitere Sachbereiche:
  • die Vorbereitung und Durchführung der Ausbildung nach dem betrieblichen Ausbildungs- und Versetzungsplan,
  • die charakterliche Förderung,
  • die Wahrnehmung der Aufsichtspflicht,
  • die Überwachung der Unfallverhütung,
  • die Beurteilung der Auszubildenden sowie
  • die Leistungsbewertung.
Nur IHK-anerkannte Ausbilder/-innen können im Berufsausbildungsvertrag als Ausbilder eingetragen werden.

IHK-Formular zur Ausbilderbenennung (Download)

Angemessenes Ausbilderverhältnis

Wie auch bei der erforderlichen Mindestanzahl an Fachkräften gegenüber der Anzahl an Auszubildende, muss auch die Anzahl der anerkannten Ausbilder stets ausgewogen im Verhältnis stehen, um eine erfolgreiche Ausbildung sicher zu stellen (siehe auch 2.5.2. Bundesanzeiger v. 25.01.2016):
1 nebenberuflicher Ausbilderdurchschnittlich nicht mehr als 3 Auszubildende
1 hauptberuflicher Ausbilderdurchschnittlich nicht mehr als 16 Auszubildende
Nebenberufliche Ausbilder sind Personen, die vom Ausbildenden (Ausbildungsbetrieb) mit der verantwortlichen Ausbildertätigkeit als verantwortliche Ausbilder beauftragt sind und neben ihrer Ausbilderaufgabe noch andere betriebliche Tätigkeiten wahrnehmen.

Wer ist Ausbildender und wer ist Ausbilder?

  • Ausbildender ist, wer Auszubildende einstellt. Es handelt sich also um den Vertragspartner des Auszubildenden. Jeder Ausbildende muss persönlich geeignet sein. Im Fall einer juristischen Person gilt das natürlich für den Unternehmensvertreter.
  • Ausbilder ist, wer die Ausbildungsinhalte des entsprechenden Berufsbildes in der Ausbildungsstätte unmittelbar, verantwortlich und im wesentlichen Umfang vermittelt (§ 28 Abs. 2 BBiG).
Das bedeutet, dass sich ein Ausbilder überwiegend der Ausbildung widmet. Ein gelegentliches "nach dem Rechten sehen" reicht nicht aus.
Ein Ausbilder muss zudem nicht nur persönlich geeignet sein (§ 29 BBiG), sondern auch die fachliche Eignung (§ 30 BBiG) besitzen und diese Eignung in Form von Zeugnissen nachweisen.  Was heißt das im Einzelnen?

Persönliche Eignung:

Das BBiG (Berufsbildungsgesetz) legt lediglich fest, wer persönlich nicht geeignet ist. Demnach ist insbesondere persönlich nicht geeignet, wer
  • Kinder und Jugendliche nicht beschäftigen darf
  • Wiederholt oder schwer gegen das Berufsbildungsgesetz oder die auf Grund des Berufsbildungsgesetzes erlassenen Vorschriften und Bestimmungen verstoßen hat.

Fachlich geeignet ist in der Regel wer ...

  • eine Abschlussprüfung in einer dem Ausbildungsberuf entsprechenden Fachrichtung bestanden hat (Zeugnis zum Nachweis erforderlich)
  • oder eine Abschlussprüfung an einer deutschen Hochschule in einer dem Ausbildungsberuf entsprechenden Fachrichtung bestanden hat (Zeugnis zum Nachweis erforderlich)
  • UND eine angemessene Zeit in seinem Beruf praktisch tätig gewesen ist (Nachweis einschlägiger Berufserfahrung bspw. durch eine betriebliches Arbeitszeugnis),
  • SOWIE über berufs- und arbeitspädagogische Kenntnisse verfügt (hierzu ist eine gesonderter Nachweis der Ausbildereignungsprüfung nach der AEVO - Ausbildereignungsverordnung erforderlich).
Personen, die die zuvor genannten ersten beiden Voraussetzungen (Ausbildung oder Studium) für die fachliche Eignung nicht erfüllen, jedoch stattdesssen mind. das 1,5-fache der Regelausbildungszeit des entsprechenden Ausbildungsberufes über einschlägige Berufserfahrungen in der entsprechenden Fachrichtung nachweisen könnnen, haben die Möglichkeit, mit ihrer IHK-Ausbilderbenennung gleichzeitig auch einen Antrag auf widerrufliche Zuerkennung (§ 30 Abs. 6 BBiG) der fachlich Eignung zu stelllen. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Die Benennung eines Ausbilders

Die Benennung eines verantwortlichen sowie fachlich geeigneten Ausbilders kann nur in Verbindung zu einem bestimmten Ausbildungsberuf sowie zu einer für den jeweiligen Ausbildungsberuf anerkannnten Ausbildungsstätte erfolgen.
Damit die IHK die Anerkennung eines Ausbilders berurteilen und feststellen kann, müssen die im gesonderten

IHK-Antragsformular auf Anerkennung als Ausbilder

gemachten Angaben durch entsprechende Zeugniskopien (Berufsabschlusszeugnis, Arbeitszeugnis, Tätigkeitsnachweis, Ausbildereignungs-Zeugnis usw.) nachgewiesen werden.
Der unter "Fachlich geeignet" zuvor beschriebene Antrag auf widerrufliche Zuerkennung der fachlichen Eignung kann zugleich mit dem IHK Formular zur Ausbilderbenennung gestellt werden. Mit einem, neben den Arbeitszeugnissen, zusätzlich beigefügten Lebenslauf hat der Antragsteller glaubhaft darzulegen, dass er die für den jeweiligen Ausbildungsberuf geforderten Kenntnisse und Fertigkeiten aufgrund seiner langjährigen einschlägigen Berufserfahrung beherrscht und folglich gleichermaßen vermitteln kann.

Die IHK erteilt bei Vorliegen der Voraussetzungen die "Widerrufliche Zuerkennung der fachlichen Eignung" gem. § 30 Abs. 6 BBiG und stellt hierüber eine entsprechende Bescheinigung aus. Die widerrufliche Zuerkennung erfolgt i.d.R. zeitlich unbefristet. Bei falschen Angaben oder bei einem Ausbilderversagen kann die Zuerkennung durch die zuständige Stelle (IHK) widerrufen werden.

Muss der Ausbilder im Ausbildungsvertrag angegeben werden?

Der IHK-anerkannte Ausbilder muss als wesentlicher Vertragsbestandteil im Ausbildungsvertrag aufgeführt werden (§ 34 Abs. 2 Nr. 8 BBiG).

Was muss bei einem Wechsel des Ausbilders beachtet werden?

Ein Wechsel anerkannter Ausbilder muss dem Auszubildenden und der IHK schriftlich mitgeteilt werden (§ 36 BBiG). Neue Ausbilder müssen an die IHK benannt werden.

Was ist zu tun, wenn kein anerkannter Ausbilder mehr zur Verfügung steht?

Scheidet der einzige persönlich und fachlich geeignete Ausbilder für einen bestimmten Ausbildungsberuf aus dem Unternehmen aus, so erlischt in diesem Moment auch die Erlaubnis zur Einstellung weiterer Auszubildender für diesen Ausbildungsberuf. Die IHK muss umgehend darüber in Kenntnis gesetzt werden.
Der Ausbildende (Betrieb) muss in diesem Fall rasch dafür sorgen, dass ein neuer fachlich geeigneter Ausbilder gefunden und über das Anerkennungsverfahren an die IHK benannt wird. Eine Fortsetzung der Ausbildung ohne Ausbilder ist allenfalls nur noch für einen kurzen Zeitraum möglich, wenn die Anstellung eines neuen persönlich und fachlich geeigneten Ausbilders absehbar ist. Gelingt es dem Ausbildenden (Ausbildungsbetrieb) nicht einen neuen Ausbilder zu finden, so ist er verpflichtet alles daran zu setzen, seine/n Auszubildenden an einen anderen anerkannten Ausbildungsbetrieb zu vermitteln. Die IHK und die Berufsberatung der örtlichen Agentur für Arbeit sind in diesem Fall umgehend einzubeziehen.
Haben Sie Fragen?
Die Ausbildungsberater/innen der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg informieren Sie gerne.