Ausbilden

Wie wird aus Ihrem Unternehmen ein Ausbildungsbetrieb?

Sie möchten als Unternehmer/Unternehmen in anerkannten Ausbildungsberufen ausbilden? Eine gute Entscheidung! Denn damit sichern Sie sich Ihren Fachkräftenachwuchs für die Zukunft.
Eine Berufsausbildung wird nach der geltenden Ausbildungsverordnung durchgeführt. Damit ist sichergestellt, dass alle Auszubildenden bundesweit auch eine geordnete und vergleichbare Berufsausbildung erhalten. Die Ausbildungsordnungen werden ständig modernisiert und den Erfordernissen angepasst, auch neue Berufe entstehen. Durch die geregelte Ausbildung im dualen System sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Wirtschaft stets auf qualifizierte Mitarbeiter zurückgreifen kann.

Darf ich ausbilden?

Ob alle genannten Voraussetzungen in Ihrem Unternehmen erfüllt sind, stellen die für den Ausbildungsberuf zuständigen IHK-Ausbildungsberater in einem persönlichen Gespräch und bei einer Betriebsbesichtigung in Ihrem Unternehmen fest.
Auch die formellen Besonderheiten, die später beim Ausfüllen eines Berufsausbildungsvertrages (Ausbildungszeit, Probezeit, Höhe der Vergütungen, Urlaubsanspruch, usw.), Erstellen eines betrieblichen Ausbildungsplans und das Führen von Ausbildungsnachweisen zu berücksichtigen sind, werden hier besprochen. Natürlich ist in diesem Gespräch auch noch Zeit und Gelegenheit, auf Ihre speziellen Fragen oder Wünsche einzugehen.

Was wird geprüft?

Damit Sie in Ihrem Unternehmen ausbilden können und Berufsausbildungsverträge abschließen dürfen, müssen im Vorfeld folgende gesetzlich vorgeschriebene Grundvoraussetzungen erfüllt sein und durch die zuständige IHK abgenommen werden:

Eignung der Ausbildungsstätte

  • Ihr Betrieb muss über alle Einrichtungen verfügen, die für die Berufsausbildung benötigt werden. Konkret bedeudet dies, dass Sie dem/der Auszubildenden einen Arbeitsplatz – z. B. einen Schreibtisch mit bürotechnischer Einrichtung und/oder für die Ausbildung benötigte Geräte und Maschinen sowie Lehr- und Lernmittel bereitstellen müssen.
  • Je nach Berufsbild muss Ihre Produktion, Ihr Sortiment oder Ihr Dienstleistungsangebot gewährleisten, dass Sie die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln können, die in der entsprechenden Ausbildungsverordnung festgelegt sind.
  • Falls Sie nicht alle Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten in Ihrem Betrieb abdecken können, gibt es evtl. die Möglichkeit, einzelne Ausbildungsinhalte im Verbund mit einem anderen Unternehmen zu vermitteln. So kann der/die Auszubildende zum Beispiel die Buchhaltung auch bei Ihrem Steuerberater erlernen.
  • Mehr Detail erfahren Sie in der Empfehlung des Hauptausschuss zur Festlegung von Kriterien für die Eignung der Ausbildungsstätten und damit für die einheitliche Anwendung von §§ 27 und 32 Berufsbildungsgesetz (BBiG), §§ 21 und 23 Handwerksordnung (HwO).

Eignung von Ausbilder

Jede, für einen bestimmten Ausbildungsberuf geeignete Ausbildungsstätte, muss persönlich und fachlich geeignete Ausbilder an die IHK benennen, die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte verantwortlich und praktisch in der Lage sind, unmittelbar und wesentlich die Inhalte des Ausbildungsberufes selbst zu vermitteln.

Zu diesem Thema haben wir einen gesonderten Artikel verfasst.

Angemessenes Fachkräfteverhältnis

Um die Qualität der Ausbildung zu sichern, muss die Zahl der Fachkräfte in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Auszubildenden stehen. Als Fachkräfte gelten:
  • der Ausbildende
  • der bestellte Ausbilder
  • wer eine Ausbildung in einer dem Ausbildungsberuf entsprechenden Fachrichtung abgeschlossen hat oder mindestens das Zweifache der Zeit, die als Ausbildungszeit vorgeschrieben ist, in dem Beruf tätig gewesen ist, in dem ausgebildet werden soll.
Als angemessen Anzahl gelten in der Regel:
  • ein bis zwei Fachkräfte = ein/e Auszubildende/r,
  • drei bis fünf Fachkräfte = zwei Auszubildende,
  • sechs bis acht Fachkräfte = drei Auszubildende,
  • je weitere drei Fachkräfte = ein/e weitere/r Auszubildende/r.

Angemessenes Ausbilderverhältnis

Ähnlich der Mindestanzahl an Fachkräfte, muss auch die Anzahl der anerkannten Ausbilder zur Anzahl der Auszubildenden stets ausgewogen im Verhältnis stehen.
1 nebenberuflicher Ausbilderdurchschnittlich nicht mehr als 3 Auszubildende
1 hauptberuflicher Ausbilderdurchschnittlich nicht mehr als 16 Auszubildende
Nebenberufliche Ausbilder sind Personen, die vom Ausbildenden (Ausbildungsbetrieb) mit der verantwortlichen Ausbildertätigkeit beauftragt wurden und neben der Ausbilderaufgabe noch andere betriebliche Tätigkeiten wahrnehmen.

Was ist zu beachten, wenn man Menschen mit Behinderungen ausbilden möchte?

Prinzipiell können Betriebe Menschen mit Behinderungen in jedem Ausbildungsberuf ausbilden, wenn die Fähigkeiten es zulassen. Dafür gibt es verschiedene Unterstützungsangebote und finanzielle Hilfen.
Darüber hinaus gibt es spezielle theoriereduzierte Ausbildungen, in denen der Schwerpunkt auf praktischen Tätigkeiten liegt. Diese sogenannten Fachpraktiker-Ausbildungen erfolgen nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO). Sie werden aus den Inhalten der anerkannten Ausbildungsberufe entwickelt. Um in einem solchen Beruf ausbilden zu dürfen, benötigen Ausbilderinnen und Ausbilder eine rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation (ReZA). Weitere Informationen können Sie im Flyer zur rehabilitationspädagogischen Zusatzqualifikation nachlesen.