IHK Ostwürttemberg

Vertragsänderungen

Für ausbildende Firmen, die einen bestehenden Ausbildungsvertrag / Umschulungsvertrag im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Auszubildenden/Umschüler nachträglich ändern möchten.
Um den Sachverhalt richtig einzuordnen, empfehlen wir eine vorherige Rücksprache mit einem für den Beruf zuständigen Ausbildungsberater.

1. Handhabung des Änderungsvertrags

Was ist bei einer Vertragsänderung zu beachten:
Berücksichtigen Sie bei einer Verlängerung, Verkürzung, Berufsänderung oder Verschiebung des Ausbildungsbeginns auch die daraus resultierenden oder abweichenden Urlaubs- und ggf. Vergütungsansprüche, die Sie im Änderungsvertrag zusätzlich angeben und vereinbaren müssen.
Welche Unterlagen senden Sie nach Vertragabschluss bzw. spätestens vor der Umsetzung der Änderung an die IHK Ostwürttemberg?
  • Einen unterzeichneten Änderungsvertrag (Original oder Kopie).
    Bei Jugendlichen müssen die gesetzlichen Vertreter mit unterzeichnen.
  • Kopie von Zeugnissen oder Bescheinigungen, die die gewünschte Änderungsabsicht belegen.
  • Kopie eines auf die jeweilige Änderung angepassten, betrieblichen Ausbildungsplan bzw. eine neue ausgefüllten sachliche und zeitliche Gliederung, die die Änderung berücksichtigt.
Nach Prüfung des Änderungsvereinbarung sowie Anerkennung und Eintragung in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse bei der IHK Ostwürttemberg, erhält der Ausbildungsbetrieb eine IHK-Änderungsbestätigung. Erst dann darf die Änderung offiziell umgesetzt werden.

2. Vereinbarung der Form zur Ausbildungsnachweisführung

Im Berufsausbildungsvertrag muss angegeben werden, ob der Ausbildungsnachweis schriftlich oder elektronisch geführt wird. Der Ausbildungsbetrieb trifft diese Entscheidung.

Verwenden Sie die Zusatzvereinbarung daher bitte nur, wenn Sie nicht die aktuelle Vorlage des Berufsausbildungsvertrags verwendet haben oder nachträglich die Form der Ausbildungsnachweisführung verändern möchten.

3. Verschiebung des urspünglichen Ausbildungsbeginns

Mit diesem Änderungsvertrag können Sie noch vor Beginn der Ausbildung, einen neuen Zeitpunkt für den Ausbildungsbeginn, abweichend vom ursprünglichen Ausbildungsvetrag vereinbaren. Beispielsweise anstelle des 01.09. bereits ab dem 01.08.
Entsprechend muss auch das neue Ausbildungsende-Datum neu vereinbart werden.
Berücksichtigen Sie hierbei die vorgeschriebene Regelausbildungszeit des jeweiligen Ausbildungsberufes (24, 36 oder 42 Monate) sowie die beiden IHK-Stichtagstermine zur Einteilung des Prüfungszeitpunktes der Abschlussprüfungen. Diese sind entweder der 30.09. für die IHK-Sommerprüfung (Mai-Juli) oder der 30.04. für die IHK-Winterprüfung (Nov. - Febr.)

4. Verlängerung der Probezeit

Nach den Bestimmungen des Berufsbildungsgesetzes (§ 20 BBiG) beträgt die Probezeit mindestens einen Monat und höchstens vier Monate (bei Umschulungen max. 6 Monate). Während dieser Zeit haben Ausbildende und Auszubildende Gelegenheit gewissenhaft zu prüfen, ob auf beiden Seiten alle notwendigen Voraussetzungen für ein Erfolg versprechendes Ausbildungsverhältnis gegeben sind. Während der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis von jeder Seite, ohne Einhaltung einer Frist und ohne Angabe von Gründen schriftlich gekündigt werden (siehe hierzu Artikel Beendigung von Ausbildungsverhältnissen).

Die einzigen Ausnahmeregelungen für eine vertraglich zu vereinbarende Verlängerung der Probezeit sind:
a) Verlängerung der Probezeit bei einer vertraglich vereinbarten Probezeit von weniger als vier Monate
Haben Ausbildende und Auszubildende in ihrem Berufsausbildungsvertrag bspw. nur eine 3-monatige Probezeit vereinbart und es treten während dieser Zeit Unsicherheiten auf, so kann die Probezeit noch bis zur gesetzlichen Höchstgrenze von insgesamt vier Monate (bei Umschulungen sechs Monate) verlängert werden.

b) Verlängerung der Probezeit bei Krankheit
Wird die Probezeit wegen Krankheit um insgesamt mehr als ein Drittel unterbrochen (d. h. die Ausbildung konnte während dieser Zeit nicht durchgeführt werden), ist eine Verlängerung zulässig. Diese Verlängerung darf maximal den Umfang des versäumten Zeitraums umfassen. Ist beispielsweise ein Auszubildender während der Probezeit sechs Wochen krank, kann die Probezeit um diese Unterbrechungszeit verlängert werden. Der Unterbrechungsgrund muss hierbei nachgewiesen werden.

5. Verkürzung der Ausbildungszeit

Verkürzung während der Berufsausbildung gem. § 8 Abs. 1 S. 1 BBiG:
Ausbildende (Betrieb) und Auszubildende können auf gemeinsamen Antrag die Regelausbildungszeit kürzen, wenn zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel dennoch erreicht wird. Anrechnungsgründe können bspw. sein:
  • vorheriger Besuch eines schulischen Berufsgrundbildungsjahres, einer einjährigen oder zweijährigen Berufsfachschule (bis 12 Monate Verkürzung)
  • eine vorangegangene abgeschlossene Berufsausbildung
  • eine höhere schulische Allgemeinbildung (Mittlerer Schulabschluss: bis 6 Monate; Hochschulreife: bis 12 Monate Verkürzung möglich)
Beachten Sie hierzu unserere IHK-Grundsätze zur Verkürzung und Verlängerung der Ausbildungszeit.
Wird erst nach 12 Monate nach Ausbildungsbeginn eine Verkürzung der Ausbildungszeit beabsichtigt, so soll diese vorrangig als IHK-Antrag auf vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung behandelt werden.

6. Verlängerung der Ausbildungszeit

In Ausnahmefällen kann die IHK, auf Antrag des Auszubildenden, die Ausbildungszeit verlängern, wenn die Verlängerung erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen.
Als Ausnahmegründe für eine Verlängerung der Ausbildungszeit können bspw. gelten: erkennbare schwere Mängel in der Ausbildung; längere Ausfallzeiten, die vom Ausbildenden nicht zu vertreten sind sowie körperliche, geistige oder seelische Behinderungen des Auszubildenden.
Hat hingegen ein Auszubildender seine IHK-Abschlussprüfung nicht bestanden, so verlängert sich das vertragliche Berufsausbildungsverhältnis auf sein Verlangen hin bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, höchstens jedoch um ein Jahr.
Um die Verängerung bei der IHK zu erfassen, muss auch für diesen Fall ein Änderungsvertrag zur Verlängerung vereinbart werden.

7. Änderung der Ausbildungsstätte

Sie verfügen als Unternehmen über mehrere Standorte von anerkannten Ausbildungsstätten innerhalb des IHK-Bezirks Ostwürttemberg, die mit anerkannten und registrierten Ausbildern besetzt sind und möchten Ihre/n Auszubildende/n nunmehr an einen andere Ausbildungsstätte versetzen?
Anders als bei Arbeitsverhältnissen, in denen Versetzungen bereits im Vorfeld arbeitsvertraglich vereinbart werden können, müssen bei Berufsausbildungsverhältnissen gewünschte oder betrieblich notwendige Versetzungen vorher durch eine dem Berufsausbildungsvertrag ergänzende Änderungsvereinbarung mit dem Auszubildenden und ggf. mit den gesetzlichen Vertretern vereinbart werden. Zudem hat die IHK zu prüfen, ob die neue Ausbildungsstätte für eine Ausbildung geeignet ist.

8. Änderung des Ausbildungsberufes

Die Änderung des vertraglich vereinbarten Ausbildungsberufes stellt einen Sonderfall vor Beginn einer Ausbildung oder während einer erst kürzlich begonnenen Ausbildung dar.
Bitte nehmen Sie vor Abschluss eines Änderungsvertrages zuerst Kontakt mit ihrem zuständigen IHK-Ausbildungsberater auf, ob eine Berufsänderung möglich ist.

9. Änderung auf eine Ausbildung in Teilzeit

Die Änderung einer Vollzeitausbildung (mind. 35 Std./Woche) auf eine Ausbildung in Teilzeit stellt einen Sonderfall aufgrund bestimmter Lebensumstände dar wie z.B. die notwendige Betreuung eigener, noch nicht volljähriger Kinder oder die Pflege von Angehörigen.
Bitte nehmen Sie vor Abschluss eines Änderungsvertrages deshalb erst Kontakt mit ihrem zuständigen Ausbildungsberater auf, ob eine Änderung in Teilzeit möglich ist.

10. Unterbrechung der Ausbildungszeit bei Elternzeit

Ihre Auszubildende/Ihr Auszubildender macht ihren/seinen Rechtsanspruch auf Elternzeit geltend und möchte die noch bestehende vertragliche Ausbildungszeit unterbrechen.
Nach Rückkehr aus der Elternzeit besteht für den Auszubildenden ein gesetzlicher Anspruch auf Nachholung des noch nicht durchlaufenen vertraglichen Ausbildungszeit.
Mehr zu diesem Thema bitte hier klicken.

11. Unterbrechung der Ausbildungszeit / sonstige Gründe

Mit diesem Formular können Ausbildungsbetriebe eine längerfristige Unterbrechung der Ausbildungszeit, z.B. einen Krankenhausaufenthalt, mit ihrem Auszubildenden vereinbaren und diese der IHK, zum Nachweis einer später notwendigen Verlängerung der Ausbildungszeit, mitteilen.