Deutsch-Niederländische AHK

Interview Günter Gülker

IHK: Welche Branchen dürften von der künftigen niederländischen Wirtschaftspolitik profitieren? Für welche Branchen sehen Sie künftig weniger Absatzchancen?
Gülker: Wir gehen nicht davon aus, dass sich die Wirtschaftspolitik grundlegend verändern wird. Die Niederlande sind eines der globalisiertesten Länder der Welt, ein Land von Kaufleuten, das vom freien Handel mit Europa und der Welt profitiert. Sie stehen seit jeher dafür, dass sie ein offenes Land sind und offene Grenzen haben. Bis auf eine einzige Partei gibt es gar kein Signal, dass sich diese Richtung ändern soll.
Wir sehen in verschiedensten Bereichen weiterhin sehr gute Absatzchancen: Maschinenbau, Industrie, Bau, Gesundheit, Transport und Logistik, aber auch Energie bieten viel Raum für einen weiteren Ausbau der Zusammenarbeit.
IHK: Baden-Württembergische Unternehmen steigerten in den letzten zehn Jahren ihre Ausfuhren in die Niederlande um 35%.Wie erklären Sie diesen Erfolg?
Gülker: Ein wichtiger Faktor: Der Industrialisierungsgrad in den Niederlanden ist insgesamt viel höher als in Deutschland oft vermutet wird. Im Jahr 2015 war das Hauptexportprodukt Maschinen und Maschinenteile. Dazu hat vor allem auch der Süden, die Region Eindhoven, beigetragen. Die Zulieferindustrie im Süden der Niederlande hat sich in den letzten Jahren sehr stark entwickelt und auch in Richtung Süddeutschland ausgerichtet.
Auch der Besuch des niederländischen Königs vor vier Jahren in Baden-Württemberg hat zum Erfolg beigetragen. An seinen Besuch haben sich mehrere bilaterale Handelsreisen in verschiedenen Branchen angeschlossen. Wir als Handelskammer betreuen diese Unternehmerreisen und arbeiten dabei eng mit den IHKs in Baden-Württemberg zusammen.
IHK: Wie viele der den Niederlanden zugeschriebenen Exporte aus Baden-Württemberg bleiben denn wirklich bei Kunden vor Ort? Und wie viele Exporte gehen über die Häfen Rotterdam und Amsterdam direkt weiter an Endkunden in aller Welt?
Gülker: Der weitaus größte Teil der Exporte bleibt in den Niederlanden. Das Land hat eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen in Europa und die Verbraucher sind äußerst konsumfreudig. Viele der Exporte gehen aufgrund der engen industriellen Zusammenarbeit auch in die Industrie. Und trotzdem sind die Häfen in Rotterdam und Amsterdam für Unternehmen aus Baden-Württemberg natürlich ein gutes Sprungbrett und ein guter Dienstleister für den Export.
 
IHK: Können Sie uns die oft schon enge Zusammenarbeit zwischen baden-württembergischen und niederländischen Unternehmen an einem Beispiel erläutern?
Gülker: Ein gutes Bespiel ist die Zusammenarbeit des niederländischen Unternehmens ASML mit der Firma Zeiss. Der deutsche Technologiekonzern für die optische Industrie und der niederländische Hersteller von Maschinen für die Halbleiterindustrie, sind seit vielen Jahren in enger Partnerschaft verbunden. Nun erwarb ASML für eine Milliarde Euro 24,9 Prozent der Anteile von Carl Zeiss. Zusammen wollen die beiden Firmen den Durchbruch in der EUV-Technologie erzielen, die die bestehende Halbleiterindustrie in die Lage versetzt, zukünftig leistungsfähigere Mikrochips zu geringeren Kosten zu produzieren. Außerdem investiert ASML in den nächsten sechs Jahren weitere 760 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung sowie Ausrüstung und Produktionsprozesse bei Carl Zeiss. Dies ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie die Investitionen und die Zusammenarbeit einen echten Mehrwert für beide Parteien liefern können.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
Günter Gülker leitet seit 2013 als Geschäftsführer die Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) in Den Haag. Er unterstützt vor Ort seit zwölf Jahren zahlreiche deutsche Unternehmen beim Auf- und Ausbau ihres Niederlande-Geschäfts.
Die Fragen stellte Bernhard Schuster, Projektleiter Enterprise Europe Network, bei der IHK Rhein-Neckar.
AHK Niederlande im Profil
Die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK) unterstützt seit 112 Jahren deutsche Unternehmen bei ihren Niederlande-Geschäften. Sie steht im engen Kontakt zu 1.300 Mitgliedsunternehmen und berät jährlich hunderte deutsche wie niederländische Unternehmen beim Markteinstieg und -ausbau. Erste Adresse im Niederlande-Geschäft – die Deutsch-Niederländische Handelskammer: www.dnhk.org