Zwei = Eins

Mischbetriebe bei IHK und HWK

Von den gut 34.000 Mitgliedsunternehmen der IHK Ostwürttemberg sind immerhin circa 1.400 solche Mischbetriebe.

Der Gesetzgeber regelt, welches Unternehmen zu welcher Kammer gehört. Zur Industrie- und Handelskammer gehören nach dem Gesetz zur vorläufigen Regelung des Rechts der Industrie- und Handelskammern (IHKG), sofern sie zur Gewerbesteuer veranlagt sind, natürliche Personen, Handelsgesellschaften, andere Personenmehrheiten und juristische Personen des privaten und des öffentlichen Rechts, welche im Bezirk der Industrie- und Handelskammer eine Betriebsstätte unterhalten (Kammerzugehörige).
Ausgenommen hiervon sind natürliche Personen und Gesellschaften, welche ausschließlich einen freien Beruf ausüben oder welche Land- oder Forstwirtschaft oder ein damit verbundenes Nebengewerbe betreiben, nur soweit sie in das Handelsregister eingetragen sind. Außerdem gehören auch Personen und Personengesellschaften, die in der Handwerksrolle oder in dem Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke oder der handwersksähnlichen Gewerbe eingetragen sind, neben der Handwerkskammer mit ihrem nichthandwerklichen oder nichthandwerksähnlichen Betriebsteil auch der Industrie- und Handelskammer an. Grundlagen für diese zweifache Mitgliedschaft ist neben dem IHKG das Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung, HwO). In dieser sind insbesondere in den Anlagen A und B sowohl die zulassungspflichtigen Handwerke, wie auch die zulassungsfreien Handwerke und auch handwerksähnliche Gewerbe aufgeführt; kurzum alle Gewerbe, die eine Zughörigkeit zur Handwerkskammer begründen.
Ist ein Unternehmen sowohl handwerklich, als auch nichthandwerklich tätig, muss entschieden werden, ob dieses erstens zu IHK und HWK zugehörig ist und zweitens, wie sich diese Zugehörigkeit auf den jeweils zu entrichtenden Beitrag auswirkt. Maßstab ist also zunächst die in der Gewerbeanmeldung bzw. im Handelsregister eingetragene Tätigkeit des Unternehmens.
Eine Bäckerei gehört eindeutig zum Handwerk; ein Modegeschäft ist als Händler zweifelsfrei IHK-zugehörig. Alles ganz eindeutig. Kompliziert wird es, wenn der Bäcker nicht nur Brot und Brötchen backt, sondern auch einen kleinen Lebensmittelladen führt. Der würde zur IHK gehören. Oder wenn sich der alteingesessene Handwerksbetrieb infolge sehr starker Automatisierung hin zum Industriebetrieb entwickelt hat. Dann ist abzugrenzen, also herauszufinden, welche Umsatzanteile auf das Handwerk, und welche Umsatzanteile auf den nichthandwerklichen Betriebsteil (also bspw. Handel oder Industrie) entfallen.

Abgrenzungsfragen

Konkret erfolgt die Abgrenzung ob noch Handwerk oder schon Industrie in fertigenden Unternehmen anhand einer Vielzahl von Kriterien. Zu nennen sind hier bspw. die Mitarbeit des Inhabers in der Fertigung, der Grad der Automatisierung, die Arbeitsteilung oder die Größe der gefertigten Serien. Es entscheidet das Gesamtbild im jeweiligen Einzelfall. In Ostwürttemberg kommt es mehrfach im Jahr vor, dass ein Unternehmen als Mischbetrieb eingestuft wird und sowohl zu IHK, als auch zu HWK zugehörig ist. In diesen Fällen ist der Beitrag aufzuteilen. Maßgeblich für die Aufteilung sind die jeweiligen Umsatzanteile. Bei einem Autohaus, das die eine Hälfte seines Umsatzes im Fahrzeugverkauf und die andere Hälfte mit Reparatur von Kfz verdient, wird diese Umsatzverteilung bei der Entscheidung über den anteiligen Beitrag, konkret der sogenannten Umlage, zu IHK bzw. HWK zugrunde gelegt. Wenn der nichthandwerkliche Umsatz eines Mischbetriebes unter 130.000 Euro pro Jahr liegt, wird grundsätzlich keine IHK-Umlage fällig. Der Bäcker, der noch Milch und Kaffee im Sortiment hat, muss also in diesen Fällen keine IHK-Umlage zahlen. Klassischer Fall für eine Doppelmitgliedschaft sind auch Autohäuser. Der Service-Anteil gehört zur Handwerkskammer, der Verkaufsanteil zur IHK. Küchen können z. B. ein kniffliges Thema bei der Abgrenzung zwischen Handel und Handwerk sein. Stellt ein Unternehmen Fertig- oder Einbauküchen nur auf, handelt es sich nicht um ein Handwerk und auch nicht um ein handwerksähnliches Gewerbe, zumindest solange keine Elektro-, Gas- und Wasseranschlüsse dazugehören. Das Unternehmen ist also IHK-Mitglied. Anders, wenn eine wesentliche Teiltätigkeit Änderungs- und Anpassungsarbeiten eines Schreiners erfordert. Das spricht für eine Doppelmitgliedschaft. Es gibt aber auch den Fall, dass sich ein Unternehmen im Laufe seiner Existenz von einer Kammerzugehörigkeit zur anderen hin bewegt. Ein Beispiel dafür ist die Heinrich Frey Maschinenbau GmbH. Gegründet als reines handwerkliches Unternehmen sieht sich der Spezialist für Fülltechnik heute in der technologieorientierten Rolle eines Industriebetriebs, der schon seit Jahren erfolgreich auf die Digitalisierung setzt. Ein maßgeblicher Themenbereich und gleichermaßen Triebfeder vereint auch die Mischbetriebe: Über die Klammer der dualen Berufsausbildung arbeiten sowohl IHK- als auch HWK-Unternehmen - unabhängig vom Grad der prozentualen Aufteilung ihrer Kammerzugehörigkeit an der Fachkräftesicherung und damit der Wettbewerbsfähigkeit von morgen.

Vier Mischbetriebe im Portrait