150 Jahre IHK Ostwürttemberg

Region heute - Ostwürttemberg besitzt herausragende Stärken

Die Wirtschaftsregion im Fokus: Vieles ist historisch gewachsen, manches wurde konsequent auf veränderte globale Anforderungen angepasst, einiges steht in Zukunft auf der Agenda
Wenn Ostwürttemberg wirtschaftlich im Hier und Jetzt analysiert wird, fällt der starke Zusammenhalt und die kollektive Lösungsorientiertheit von kommunaler Familie, Industrie, Handel, Handwerk sowie den wesentlichen Organisationen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens sofort ins Auge. Ostwürttemberg hat heute mit über 170.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten den höchsten Industrialisierungsgrad seiner Geschichte erreicht. Gerade in den vergangenen zwei Dekaden hat sich Ostwürttemberg wirtschaftlich zu dem entwickelt, was die Region ausmacht: zu einer liebens- und  lebenswerten Raumschaft, die sich hinter den Metropolregionen Europas keinesfalls zu verstecken braucht.
Dass der Zusammenhalt derart gewachsen ist, hängt stark mit der 1995 ins Leben und 2005 fortgeschriebenen Zukunftsinitiative Ostwürttemberg zusammen. An einem Strang ziehen - und das in dieselbe Richtung! Diese Prämisse gilt seither für die im Wirtschaftlichen wie Gesellschaftlichen Engagierten. Über Gemeinde-, Kreis-, Partei- und  Organisationsgrenzen hinweg hat sich die Region Ostwürttemberg zusammengefunden, um ein Ziel zu verfolgen: Die Region soll nach vorne gebracht werden. Der „Raum für Talente und Patente“, wie sich die Region seit 2004 nennt, ist beileibe keine leere Worthülse. Der Slogan wird regelmäßig mit Leben gefüllt: Durch die Aktivitäten der 1996 gegründeten Wirtschaftsfördergesellschaft WiRO, durch den seit 2000 ausgeschriebenen und 2001 erstmals verliehenen Innovationspreis, durch die 2011 initiierte Fachkräfteallianz mit ihrem ab 2013 verbreiteten Label „Erstaunliches Ostwürttemberg“, durch zahlreiche Netzwerke und deren Netzwerker. Der dort postulierte Spruch „Von New York aus gesehen ist Silicon Valley auch Provinz“ beschreibt vielleicht wie kein zweiter die Stärken Ostwürttembergs

Die Devise lautet seit 2005: Stärken stärken 

Wo liegen diese Stärken begründet? Zuallererst in gut entwickelten Industrieclustern. Die Wirtschaft ist in Ostwürttemberg noch deutlich stärker von der Produktion geprägt als im restlichen Bundesland, der Dienstleistungssektor ist schwächer ausgeprägt. Auf Grund der Innovationskraft des hier zumeist traditionell ansässigen, leistungsstarken und häufig familiengeführten Mittelstandes, weltweit führender Unternehmen und der engen Verzahnung von Unternehmen und Wissenschaft nimmt die Region eine der vordersten Positionen in der deutschen Patentstatistik ein. Die wichtigsten Cluster sind der Maschinen-, Anlagen- und Werkzeugbau, der Automotive-Sektor, aber auch die
Querschnitts-Technologiebranchen Photonik oder Oberflächentechnologien. Die Akteure in der Region haben aber weitere Pfeile in ihrem Köcher ausgemacht: Durch den Waldreichtum hat das Cluster Holz und Papier an Bedeutung gewonnen, ebenso wie die Logistik, die Kreativwirtschaft oder das Gesundheits- und Sozialwesen.
Der Wissenstransfer zwischen den Hochschulen, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen und Unternehmen wird in den zugehörigen Clusterinitiativen bei gemeinsamen Projekten und Veranstaltungen beschleunigt. Exzellente Projekte, Produkte oder Ideen werden jedes Jahr beim Innovationspreis Ostwürttemberg gewürdigt. Denn um die Zukunftsfähigkeit zu erhalten, bedarf es gerade an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution einer hohen Innovationsgeschwindigkeit, gepaart mit motivierten Arbeitskräften.
Bei dieser Herkulesaufgabe wird den Hochschulen in der Region eine wichtige Rolle zuteil. Die Hochschule Aalen, die Duale Hochschule (DHBW) Heidenheim, die Pädagogische Hochschule (PH) Schwäbisch Gmünd sowie die Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd (HfG) haben sich - in enger Symbiose mit der regionalen Wirtschaft - auf die Bedürfnisse einer sich rasant weiterentwickelnden Wirtschaft eingestellt. Neue Studiengänge - teils auch im Zusammenspiel von Hochschulen, wie dem „Internet der Dinge“ zwischen Hochschule Aalen und Gmünder HfG - wurden konzipiert, um junge Menschen für wirtschaftliche Leitmotive der Zukunft rechtzeitig zu interessieren. Weiterbildungseinrichtungen wie die Weiterbildungsakademie der Hochschule Aalen (WBA) oder die Graduate School Ostwürttemberg (GSO) tragen dazu bei, dass berufsbegleitendes Fortbilden auf höchstem Niveau möglich ist. Junge Menschen sollen durch eine Existenzgründer-Initiative viel stärker als bislang ans Unternehmertum herangeführt und zur Gründung animiert werden.

Heute steht auch auf der Agenda: Schwächen abschwächen

Bildung, Ausbildung, Fort- und Weiterbildung - vom Kindesalter bis weit in die berufliche Welt muss das Lernen getragen werden und gesellschaftlicher Konsens sein. Auch hier deuten vielversprechende Projekte in die Zukunft. Die „EULE - Werkstatt junger Forscher“ steht seit 2014 in Schwäbisch Gmünd, im Jahr 2017 wird das Explorhino-Gebäude auf dem Aalener Hochschulcampus fertig, in Ellwangen wächst die Europäische Ausbildungs- und Transferakademie (EATA) heran.
In der Region Ostwürttemberg wurde erkannt,dass neben erstklassigen Hochschulen auch Forschungseinrichtungen nötig sind, um die Region im Konzert der Metropolen wahrzunehmen. Gemeinsam mit forschungsaktiven Firmen, wie sie in Ostwürttemberg zuhauf sesshaft sind, kann dann ein „Bermuda-Dreieck der Innovationen“ entstehen. Das Gmünder Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie (fem) nimmt bereits eine herausragende Stellung ein. In den kommenden Jahren werden in Aalen am Hochschulcampus zwei  Forschungseinrichtungen angesiedelt. Das Zentrum Technik für Nachhaltigkeit (ZTN) wird sich mit der Ressourcenschonung befassen. Schlüsseltechnologien wie Leichtbau, neue Produktionstechnologien, Werkstoffinnovationen sowie optische Technologien werden dort erforscht. Am Zentrum innovativer Materialien und Technologien für effiziente elektrische Energiewandler-Maschinen (ZiMATE) steht künftig die Erforschung neuer Funktions- und Leichtbauwerkstoffe sowie Fertigungstechnologien zur Steigerung der Effizienz elektrischer Maschinen im Mittelpunkt.
Stichworte wie Digitalisierung, Fachkräftemangel oder die weiter fortschreitende Globalisierung werden in einer sich schneller drehenden Wirtschaftswelt auch in Ostwürttemberg noch stärker Beachtung fi nden müssen. Tausende Betriebe in der Region stellen sich diesen Herausforderungen jeden Tag aufs Neue. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten gelernt, dass Wirtschaft nicht durch ein Festhalten am Status Quo defi niert ist. Ostwürttembergs Wirtschaft verändert auch künftig ihr Gesicht - das Ziel eines positiven Fortentwickelns haben die Firmen für die rund 442.000 Bewohner der Region dabei stets vor Augen.