IHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn 2019

Positiver Jahresstart mit leichten Schwankungen

Rund 53 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage weiterhin mit „gut“. Allerdings stieg auf sehr niedrigem Niveau der Anteil derer, die ihre Geschäftslage mit „schlecht“ bewerten im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf lediglich vier Prozent an. Die etwas gedämpftere Stimmung setzt sich auch mit Blick auf die Beschäftigung fort. So gehen nur noch 18 Prozent (Vorjahr 25 Prozent) der Betriebe von steigenden Beschäftigtenzahlen in den nächsten zwölf Monaten aus. Ähnlich verhält es sich bei den Auftragseingängen. Auch wenn die Zahlen zwar im Vergleich zum Herbst 2018 bereits wieder etwas gestiegen sind, gehen dennoch derzeit 14 Prozent der Unternehmen (Vorjahr 7 Prozent) von rückläufigen Auftragseingängen aus. Trotz dieser leicht negativen Tendenz, erwarten trotzdem 86 Prozent der Betriebe eine gleichbleibende bis weiter steigende Auftragslage. IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle:
„Positiv sind auch die im Vergleich zum Herbst 2018 wieder gestiegen Exporterwartungen und dass deutlich weniger von fallenden Umsatzrückgängen sprechen.“
Erfreulich ist für die IHK-Chefin weiter, dass immer mehr Unternehmen die Digitalisierung als Hauptmotiv für Inlandsinvestitionen nennen.
Am meisten Sorgen bereitet den Unternehmen nach wie vor der Fachkräftemangel. Eberle:
„Doch nehmen die Unternehmen nun auch die Wirtschaftspolitik deutlicher als zuvor als Risiko wahr. Diese Entwicklung zeigt, dass die derzeitige Wirtschaftspolitik zunehmend auch den Unternehmen in Ostwürttemberg zu schaffen macht.“

Brexit-Ungewissheit und die Folgen

Die Unternehmen wirtschaften in einem unruhigen außenwirtschaftlichen Umfeld, so Eberle. Setzt sich dies weiter fort, sei mit weiteren Auswirkungen auch auf die regionale Wirtschaft zu rechnen. So zeigen sich erste Auswirkungen des Brexit-Debakels beispielsweise im Bereich der geplanten Investitionstätigkeiten der regionalen Unternehmen. Mittlerweile geben knapp 23 Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr an, keine Investitionen im Vereinigten Königreich zu planen. Zudem gab keines der Unternehmen an, dort steigende Investitionen zu tätigen; im Vorjahr planten dies noch 45 Prozent der Betriebe.
Die Digitalisierung macht weiter Fortschritte: 65 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, Waren mit Hilfe digitaler Vertriebskanäle zu vertreiben. Der angegebene Umsatzanteil beläuft sich dabei auf durchschnittlich rund 24 Prozent.

Ein Blick in die Landkreise:

Der Landkreis Heidenheim meldet eine mehrheitlich positive Lage mit stabilen Umsatzzahlen. Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen bewertet die aktuelle Lage mit „gut“. Die Umsatzerwartungen befinden sich nahezu auf Vorjahresniveau: Knapp 40 Prozent gehen von besseren Geschäften aus. 60 Prozent sprechen von gestiegenen Gewinnen, insbesondere sich gerade in der Industrie im Vergleich zum Herbst 2018  die Ertragslage verbessert. Die Unternehmen im Landkreis empfinden die Energie- und Rohstoffpreise als größtes Risiko. Allerdings folgt auch hier der Fachkräftemangel auf Platz 2.
Im Ostalbkreis zeigt sich eine positivere Ertragslage als noch im Vorjahr. So bewertet mit 54 Prozent über die Hälfte der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut“. Die Umsatzzahlen fallen im Vergleich zur Vorjahresbilanz etwas weniger positiv aus, so sprechen nur noch 43 Prozent von gestiegenen Umsätzen. Auch die Geschäftserwartungen zeigen sich verhaltener als vor Jahresfrist. So sprechen nur noch 21 Prozent von besseren Geschäften. Als größtes Risiko nennen die Unternehmen den Fachkräftemangel, gefolgt von der Inlandsnachfrage auf Platz 2. Erfreulich ist, dass in beiden Landkreisen und damit in Ostwürttemberg bei den Investitionen der Stellenwert der Digitalisierung deutlich zugenommen hat. Nach den Investitionsmotiven Ersatzbedarf und Rationalisierung steht die Digitalisierung mittlerweile an dritter Stelle.

Blick in die Branchen

Die Industrie ist zu 85 Prozent in ihren Kapazitäten hoch ausgelastet. Gegenüber 2018 konnten die Inlandsumsätze bei 57 Prozent der Betriebe gesteigert werden, 13 Prozent verzeichnen Rückgänge. Auch die Auslandsumsätze haben sich im Vergleich zum Vorjahr schwächer entwickelt. Deutlich weniger Betriebe erwarten steigende Auftragseingänge. Als größtes Risiko bewerten 54 Prozent der Industriebetriebe den Fachkräftemangel.
Der Handel sieht seine Geschäftslage weniger positiver als zu Jahresbeginn 2018. Mit 42 Prozent beurteilen weniger als die Hälfte ihre Geschäftslage als „gut“. Auch die Ertragslage hat nachgelassen. Mit rund 33 Prozent bewertet noch ein Drittel der Befragten diese mit gut, das sind 17 Prozentpunkte weniger als noch im Vorjahr. Größtes Risiko bleibt auch hier der Fachkräftemangel, gefolgt von der Inlandsnachfrage auf Platz zwei. Knapp 60 Prozent der Handelsunternehmen nennen die Digitalisierung als Hauptmotiv bei Inlandsinvestitionen.
Die positive Bewertung der Geschäfts- und Ertragslage im Baugewerbe setzt sich auch zu Jahresbeginn 2019 weiter fort. So sprechen 89 Prozent der Befragten von einer guten Geschäftslage, das sind sogar 22 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Rund 22 Prozent geben an, dass die Bauproduktion gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen ist. Die wichtigsten Risikofaktoren bleiben weiterhin die Inlandsnachfrage, der Fachkräftemangel sowie die Energie- und Rohstoffpreise.
Rund je zur Hälfte bewertet die Dienstleistungsbranche ihre aktuelle Geschäfts- und Ertragslage mit gut. Über die Hälfte der Befragten schätzen die Inlandsnachfrage als höchstes Risiko ein. Risiko Nummer zwei ist der Fachkräftemangel. Knapp 13 Prozent der Dienstleister gehen von fallenden Beschäftigtenzahlen in den nächsten zwölf Monaten aus. Leichte Skepsis zeigt sich beim Blick auf die Geschäftserwartungen.
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