IHK-Vollversammlung

Fachkräftesicherung im Fokus - Breite Unterstützung für digiZ Ostwürttemberg

Behandelt wurden zudem das regionale Digitalisierungszentrum digiZ und die mittelfristige Finanzplanung der IHK; einstimmig verabschiedet wurde ein Positionspapier zur Gewerbeförderung im Land. Im Anschluss an die offizielle Sitzung stellte Bürgermeister Thomas Häfele die Stadt Neresheim vor, und ADK-Geschäftsführer Robert Kohler präsentierte sein aufstrebendes Unternehmen.
Gemäß einer aktuellen Sonderauswertung der WifOR Institute, Darmstadt, führt der Fachkräftemangel bereits zu deutlichen Bruttowertschöpfungsverlusten. IHK-Präsident Markus Maier:
„In der Region sind dies 2019 bereits 0,7 Mrd. Euro. Bis 2030 werden sich, ohne Gegenmaßnahmen, die Bruttowertschöpfungsverluste auf 8,8 Mrd. Euro kumulieren. Nicht erst seit dieser Studie steht das Thema auf der regionalen Agenda und ist ein zentrales Zukunftsthema.“
Die IHK unterstütze an vielen Stellen die Unternehmen, wenn es darum geht, Fachkräfte zu finden, zu binden und zu begeistern. Neben den IHK-Klassikern Aus- und Weiterbildung sei dies z. B. das Netzwerk „Job für Zwei“ oder auch der „International Club“. Maier:
„Die IHK ist zudem, gemeinsam mit der regionalen Wirtschaftsförderung, mit Unterstützung von regionalen Unternehmen und der kommunalen Familie seit Jahren bei der Fachkräftekampagne ‚Erstaunliches Ostwürttemberg‘ engagiert. Und koordiniert werden alle Initiativen in der ‚Fachkräfteallianz Ostwürttemberg‘, in der alle wichtigen Partner Mitglied sind.“
Markus Schmid, Leiter des IHK-Teams „Start-up und Unternehmens-Service“ stellte die einzelnen Projekte zu Fachkräftesicherung vor.
„Etwa fünf Reisebusse voller junger Menschen verlassen die Region pro Jahr auf Dauer“,
so Schmid. „Attraktiver werden im Verbund“ und dem Fachkräftemangel im Schulterschluss aller Kommunen entgegentreten – das ist die Antwort der Vollversammlung auf den Sog in die Großstadt, der besonders junge Ostwürttemberger erfasst. Das Gremium widmete sich ausgiebig den vielfältigen Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um den Fachkräftenachwuchs frühzeitig hin zum Praktischen und weg von der anhaltenden Akademisierungswelle zu leiten. Hier sieht die Vollversammlung auch die Bildungseinrichtungen in Land und Region in der Pflicht.

Politikberatung

Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle gab einen kurzen Überblick über die politische Arbeit der IHK Ostwürttemberg. Als eindeutiger Erfolg zu verbuchen ist die Ernennung Ellwangens zum Schulstandort für den neuen Ausbildungsberuf Kauffrau/-mann im E-Commerce. Auch das „Kümmerer-Programm“ zur Integration von Geflüchteten in Ausbildung wird verlängert und nach Einsatz Eberles ebenso erweitert: Zukünftig soll auch die Integration von zusätzlichen Zugewanderten betreut werden sowie Unternehmen bei der Suche nach passenden Bewerbern in diesem Feld unterstützt werden.

digiZ in Aktion

Die Aktivitäten des Digitalisierungszentrums, digiZ Ostwürttemberg aus dem knappen ersten halben Jahr seit Inbetriebnahme, stellte digiZ-Manager Peter Schmidt vor. Dabei stach der Cybersecurity-Kongress, der - hochkarätig besetzt - nicht nur bei den regionalen Medien größte Aufmerksamkeit erhielt. Nach Plan im Oktober startet das strukturierte Beratungsprojekt der Marktscouts, berichtet Schmidt. Diese Beratungen sollen konkret am Bedarf einzelner Unternehmen entlang, digitale Produkte und Prozesse entwickeln, diese in digitale Strategien integrieren und letztlich eine konkrete und individuelle digitale Roadmap zeichnen. Die offizielle Eröffnungsfeier des digiZ mit Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut findet am 11. Juli im IHK Bildungszentrum Ostwürttemberg statt.

Mittelfristige Finanzplanung

Die IHK-Vollversammlung erhielt ein informelles Update der aktuellen mittelfristigen Finanzplanung über den Wirtschaftsplan 2019 hinaus. Bei der seit 2017 regelmäßig erfolgten Fortschreibung werden die Entwicklungen im Erfolgs- und Finanzplan perspektivisch über den kommenden Dreijahres-Zeitraum 2020 bis 2022 dargestellt. Eingeflossen seien neben der konjunkturellen Großwetterlage, die aktuell für eine leicht positive Seitwärtsbewegung spreche, auch Themen wie das nach wie vor ergebnisbelastende Niedrigzinsumfeld und die in den kommenden Jahren notwendigen Investitionen in das Gebäude am Hauptsitz in Heidenheim.

Positionspapier verabschiedet

Einstimmig verabschiedet wurde von der Vollversammlung ein Positionspapier zur staatlichen Gewerbeförderung. Damit ist dieses die Grundlage für Meinungsäußerungen der IHK Ostwürttemberg sowie des baden-württembergischen IHK-Tags. IHK-Präsident Maier:
„Es enthält Aussagen zur Organisation der Wirtschaftsförderung im Land, die vor allem das Spannungsfeld zwischen Selbstverwaltung und Staatsverwaltung fokussieren. Auf die Kernbereiche der Federführung Gewerbeförderung der baden-württembergischen IHKs zugespitzt, werden auch Positionen zu staatlichen Finanzhilfen, zur Förderung der Unternehmensberatung sowie zu Fördermaßnahmen auf den Feldern Existenzgründung, Unternehmenssicherung und Unternehmensnachfolge formuliert.“

Starkes Neresheim

Thomas Häfele, Bürgermeister der Stadt Neresheim präsentierte der Vollversammlung einen leistungsfähigen und attraktiven Wohn- und Arbeitsort. Von Bildung bis Kultur und dem erweiterten Angebot an Gewerbeflächen sieht Häfele die Härtsfeldstadt als wichtigen Part im regionalen Wirtschaftsstandortportfolio.

ADK Modulraum vorgestellt

Robert Kohler, Geschäftsführender Gesellschafter der ADK Modulraum GmbH und Gastgeber der Vollversammlungssitzung, stellte abschließend sein eindrucksvolles Unternehmen vor. 2004 gegründet, realisiert der Modulbauexperte heute mit 300 Mitarbeitern Projekte in aller Welt. „Besser, schneller, günstiger“, das fasse die modulare Bauweise der ADK am einfachsten zusammen, so Kohler. ADK sei damit z. B. im Klinikbereich marktführend und realisiere aber ebenso viele internationale Projekte. So z. B. für das Auswärtige Amt: Das Neresheimer Unternehmen erstellte mitunter die Botschaftsgebäude in Kabul, Afghanistan, und arbeitet derzeit an den Modulen für die Botschaft in Islamabad, Pakistan.
„Ein wahrer Hidden Champion der Region“,
schließt IHK-Präsident Markus Maier anerkennend.