Ausbildungsbündnis

Zukunft wird aus Beruf gemacht

Mehr Auszubildende

In Ostwürttemberg ist die Zahl der neueingetragenen Auszubildenden in IHK-Berufen erfreulicherweise steigend. So haben sich im Ausbildungsjahr 2018 in den Berufen der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg (IHK) trotz rückläufiger Schülerzahlen und dem steigenden Trend zur Akademisierung insgesamt 1.899 Jugendliche für eine gewerblich-technische oder eine kaufmännische Ausbildung entschieden. Das ist ein deutliches Plus von 4,9 Prozent im Vergleich zu 2017 mit 1.811 neuen Verträgen und liegt damit ebenfalls deutlich über dem Landesdurchschnitt von plus 1,7 Prozent.
Diese erfreuliche Ausbildungsbilanz 2018 ist ein Verdienst der engagierten Ausbildungsbetriebe, die den Jugendlichen attraktive Berufsbildungsangebote in rund hundert verschiedenen IHK-Berufen unterbreiten.
1.035 engagierte Ausbildungsbetriebe setzen in rund hundert Ausbildungsberufen auf ihre Fachkräftesicherung.

Herausforderung: Ausbildungsstellen besetzen

Dennoch wird es auch in den kommenden Jahren herausfordernd bleiben, interessierte Jugendliche überhaupt für eine duale Ausbildung zu gewinnen. Denn vorbei sind die Zeiten, in denen Betriebe aus einem Überangebot an Schulabsolventen ihre Auszubildenden auswählen konnten. Heute entwickelt es sich eher umgekehrt: Die Jugendlichen können sich vielfach das ausbildende Unternehmen aussuchen.

Bündnis für die Zukunft der Jugend

Hier setzt nun auch das neu abgeschlossene Ausbildungsbündnis von Landesregierung, Kammern und Verbänden in Baden-Württemberg an: Von 2019 bis 2022 wollen die Bündnispartner die Berufsausbildung zukunftsfest, integrativ und inklusiv gestalten, die hohe Attraktivität der beruflichen Ausbildung sichern sowie die Qualität der beruflichen Ausbildung weiter fördern. Das Bündnis hat drei zentrale wirtschafts- und gesellschaftspolitische Herausforderungen erkannt:
  • die digitale Transformation der Wirtschaft,
  • die Attraktivität der beruflichen Ausbildung
  • und deren Gleichwertigkeit mit der akademischen Bildung sowie eine bessere Passung von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt.
Die Partner des neuen Ausbildungsbündnisses haben sich dabei auf sieben Themenschwerpunkte verständigt. Ziele sind:
  1. die  Berufsausbildung 4.0 in den kommenden Jahren weiter umzusetzen,
  2. die Qualität der Berufsausbildung weiterhin zu stärken,
  3. mehr junge Menschen für die Berufsausbildung zu gewinnen,
  4. die vielen Chancen und Möglichkeiten durch oder mit einer Berufsausbildung aufzuzeigen,
  5. die berufliche Orientierung systematisch umzusetzen,
  6. die Neugestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf flächendeckend auszubauen
  7. und die passgenaue Unterstützung zur Berufsausbildung anzubieten.

Duale Berufsausbildung noch attraktiv?

Welchen Beruf und welchen Verlauf die Berufswahl nimmt, hängt sehr stark von sozialen aber auch wirtschaftlichen Faktoren ab. Auch die Bildungschancen hängen sehr stark vom Elternhaus ab. Dabei spielt beispielsweise das Geschlecht oder ob ein Jugendlicher ein Migrationshintergrund hat, aber auch der erreichte Schulabschluss, eine sehr große Rolle und beeinflusst die Bildungschancen und die Art und Weise der zukünftigen Lebensführung.
Was die Attraktivität der dualen Berufsausbildung insgesamt sowie die Attraktivität bestimmter Berufsbilder betrifft, so gibt es eine sehr große Bereitschaft bei den Jugendlichen eine duale Berufsausbildung zu machen und ist für einen Großteil der Schulabgänger einer der wichtigsten oder sogar die einzige Option einen Beruf zu erlernen. Jedoch ist der Schulabschluss ein gravierender Faktor. Einem Teil der Hauptschulabsolventen gelingt der direkte Übergang in die duale Ausbildung nicht, da sie möglicherweise an betrieblichen Zugangsbarrieren scheitern. Die Alternative ist der Umweg in schulische und außerschulische Maßnahmen im Übergangssystem wie beispielsweise Berufsfachschulen, um an einen höheren Bildungsabschluss zu erlangen und ihre Ausgangsbedingungen am Ausbildungsmarkt zu verbessern. Diese Art der Chancenoptimierung verbessert einem sehr großen Teil der Jugendlichen die Möglichkeit einen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf zu erlangen, jedoch bleibt auch ein anderer Teil in diesem System und entfernt sich mehr und mehr der klassischen dualen Berufsausbildung. Bei Jugendlichen mit Studienberechtigung, für die eine duale Berufsausbildung zunächst eine Option ist, entscheidet sich ein wesentlicher Anteil sehr oft am Ende doch für ein Studium, weil die vermeintlichen Vorteile bei den Jugendlichen oft überwiegen. So spielt der Status als späterer Akademiker, die Berufsoptionen, die besseren Einkommensmöglichkeiten und die Möglichkeit einer Führungsposition sowie das geringere Arbeitslosenrisiko eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, ob das Studium oder eine duale Berufsausbildung eingeschlagen wird.
Ein Attraktivitätsverlust der dualen Berufsausbildung droht weniger durch die Einführung der Bachelor-Studiengänge, sondern vielmehr durch die steigende Zahl der Studienberechtigten, für die aus oben genannten Gründen ein Studium vermeintlich die bessere Option darstellt.

Duale Ausbildung: Gleichwertige Alternative zum Studium

Eine Ausbildung ist eine gleichwertige Alternative zum Studium, die viele Möglichkeiten eröffnet. Mit Verdienstmöglichkeiten, die sich in vielen Fällen mit denen eines Akademikers messen können. Das System der beruflichen Bildung ist für Deutschland und Baden-Württemberg von großer Bedeutung. Es ist am Bedarf der Wirtschaft orientiert und stellt sicher, dass die Ausbildungsberufe laufend an den technologischen Fortschritt und den wirtschaftlichen Strukturwandel angepasst werden können.
Ein Absolvent einer dualen Berufsausbildung kann die gleichen Chancen eröffnet bekommen wie ein Akademiker. Es liegt immer in den fleißigen, lernwilligen und lernfähigen, motivierten, engagierten und leidenschaftlichen Händen eines jeden einzelnen. Alleinschon deshalb stellt die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Bildung  für alle Jugendlichen und deren Eltern eine Selbstverständlichkeit dar.
Wir sollten mit Vorurteilen aufräumen und die Assets einer beruflichen Bildung noch viel stärker kommunizieren.

Argumente für eine Ausbildung

  • Die Ausbildungsvergütungen sind in den letzten zehn Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen und liegen jetzt durchschnittlich bei rund 850 Euro. Im Vergleich: Die Tariflöhne sind im gleichen Zeitraum nur um rund 20 Prozent gestiegen. Und in den letzten zehn Jahren ist die Arbeitslosenquote beruflich Qualifizierter um etwa 50 Prozent gesunken – ein deutlich stärkerer Rückgang als bei Akademikern.
  • Bei Absolventen einer Höheren Berufsbildung – also bei Meistern und Fachwirten – liegt die Arbeitslosenquote sogar schon unterhalb der von Akademikern. Eine Fortbildung zum Meister oder Fachwirt kann demnach sogar lohnender und spannender sein als ein Studium.

Höhere Berufsbildung mit neuer Bezeichnung?

Für die Fortbildungen beispielsweise zum Industriemeister oder zur Betriebswirtin sollen zukünftig die einheitlichen Bezeichnungen Berufsbachelor bzw. Berufsmaster verwendet werden. Die neuen Bezeichnungen unterstreichen die Praxisnähe und die besonderen Fähigkeiten von Menschen mit Höherer Berufsbildung. Sie steigern die Markenbildung der beruflichen Bildung und tragen so dazu bei, noch mehr junge Menschen für den Weg der beruflichen Bildung zu begeistern.

Wie bringt sich die IHK ins Ausbildungsmarketing ein?

Junge Auszubildende gehen in die Schulen oder auf Ausbildungsplatzmessen und bieten den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in praktische Tätigkeiten ihres Berufs – authentischer ist Berufsorientierung kaum möglich.
Azubi-Pass
für Unternehmen: Das neue Marketinginstrument zur Gewinnung von Auszubildenden. Wählen Sie auf der Ausbildungsmesse Ihre potentiellen Teilnehmer aus und lernen Sie mit dem Azubi-Pass Ihre künftigen Auszubildenden vorab kennen.
...für Schüler: Eine Woche lang erleben ausgewählte Schülerinnen und Schüler den Alltag eines Auszubildenden, wie der tägliche Ablauf und die Anforderungen im realen Werktag für Azubis aussehen.
Beratung
… von Ausbildungsbetrieben und solchen, die es noch werden wollen.
… und Unterstützung der Ausbilder.
… für Studienabbrecher mit Möglichkeiten und Karriereperspektiven
„Läuft.“
… heißt die IHK-Ausbildungsbroschüre im Magazincharakter der IHK Ostwürttemberg mit allen Informationen rund um den Start in die Berufswelt.
Erwachsene über 25 Jahre die noch keinen Berufsabschluss haben und sich aufgrund ihrer persönlichen Situation eine klassische Ausbildung oder Umschulung nicht zutrauen gelangen hier zum Berufsabschluss.